Alkalische Phosphatase

Medizinischer Hintergrund

Ursprung und biologische Vorgänge

Die ALP ist kein einzelnes Enzym; ihre Aktivität stellt die Summe individueller Vorgänge der ALP im Dünndarm, in der Plazenta und im Leber-Knochen-Nieren-Bereich dar, wobei postgenetische Formen die ALP der Gallenwege und Tumor-Phosphatasen einschließen. Diese membrangebundenen Isoformen von Glykoproteinen haben eine gemeinsame Proteinstruktur, unterscheiden sich aber im Kohlehydratgehalt. Alle Isoformen der ALP sind am Transport von Stoffwechselzwischenprodukten durch die Zellmembranen beteiligt. Die ALP-Werte stellen die Summe der einzelnen Aktivitäten, die in den verschiedenen Organen und Geweben vor sich gehen, dar.

Indikationen

Verdacht einer Verwicklung der Galle bei der Diagnose von Lebererkrankungen:

  • Cholestatische Leberkrankheit
  • Parenchymatöse Leberkrankheit mit beteiligter Cholestase

Verdacht einer skelettalen Erkrankung:

  • Osteoporose
  • Skelettale Verwicklung als Folge einer anderen Primärkrankheit

Vorbereitung des Patienten

  • Fasten wird bevorzugt, ist jedoch für den Test nicht erforderlich

Bestimmung

Die ALP kann in der Arztpraxis in nicht verändertem Kapillar- oder Venenblut, Plasma oder Serum mit Reflotron Plus sofort festgestellt werden, wobei die Reflotron Alkaline Phosphatase-Parameter benutzt werden.

Ergebnisse

Referenzbereiche *
Temperatur Männer Frauen
25°C, 30°C, 37°C 40 - 129 U/l 35 - 104 U/l

* mit Reflotron gemessen, bitte beziehen Sie sich auch auf die Beilage im Reflotron Testpaket

Hinweis:

  • Bei Kindern und Jugendlichen sind die ALP-Werte wegen der mit dem Knochenwachstum verbundenen, erhöhten osteoblastischen Aktivität höher.
  • Bei Frauen kann während des dritten Trimesters einer Schwangerschaft eine erhöhte Serum-Gesamt-ALP aufgrund der hohen Mengen von ALP in der Plazenta beobachtet werden.
  • Nach einem Alter von 60 Jahren erhöhen sich die Referenzgrenzen bei Frauen und können ähnlich hoch oder höher als bei Männern werden.

Interpretation

Zustände mit erhöhter ALP

  • (Leber-ALP)
    • Cholestase, Cholecystitis, Cholangitis, Zirrhose, Hepatitis, Fettleber, Lebertumor, Lebermetastasen, Drogenrausch
    • Medikamente: z.B. Verapamil, Carbamazepine, Phenytoin, Erythromycin, Allopurinol, Ranitidine
  • Osteoporose (Knochen-ALP)
    • Paget-Syndrom, Osteosarkom, Knochenmetastasen des Prostatakrebses (hohe / sehr hohe ALP-Werte)
    • Andere Knochenmetastasen
    • Multiples Myelom
  • Skelettale Verwicklung anderer Primärkrankheiten
    • Osteomalazie, Rachitis, Vitamin D-Mangel (Mittelmäßiger Anstieg)
    • Bösartige Tumore (vom Tumor ausgehende ALP)
    • Nierenkrankheit (sekundäre Hyperthyreose)
    • Primäre Hypothyreose

Zustände mit niedriger ALP

  • Genetische Hypophosphatasie
  • Adynamische Osteoporose in Dialysepatienten
  • Hypoparathyreoidismus
  • Mangelernährung
  • Medikamente: z.B. Clofibrate, orale Verhütungsmittel

Tipps & Empfehlungen

  • Die ALP-Niveaus sind je nach Vollständigkeit der Gallenverstopfung erhöht. Eine Leberkrankheit mit primärem Schaden an den Parenchymzellen bewirkt gewöhnlich nur mittelmäßige Aktivitätserhöhungen, wobei das Niveau vom Grad der beteiligten Cholestase abhängt.
  • Unerklärliche ALP-Erhöhungen sollten durch Tests auf g-Glutamyltransferase (GGT), Glutamatoxalacetattransaminase (GOT) und Glutamatpyruvattransaminase (GPT) weiter untersucht werden.
  • In den meisten Fällen benötigen Sie keine teure Unterscheidung der ALP-Isoformen.