Bilirubin

Medizinischer Hintergrund

Ursprung und biologische Vorgänge

Bilirubin ist ein gelbbrauner Gallenfarbstoff, der dem Serum eine gelbbraune Farbe verleiht. Bilirubin entsteht in Leber und Milz als Abbauprodukt des Hämoglobins. Es existieren zwei Formen von Bilirubin. Die eine ist an Albumin gebunden und wird als unkonjugiertes oder indirektes Bilirubin bezeichnet. Diese lipidlösliche Form ist toxisch und dient dem Bilirubintransport im Blut. Die zweite Form ist an Glucuronsäure gebunden und wird deshalb als konjugiertes oder direktes Bilirubin bezeichnet. Sie ist wasserlöslich und kann über die Nieren mit dem Harn ausgeschieden werden. Die Konjugation erfolgt in den Leberzellen. Die Unterscheidung der beiden Formen erlaubt deshalb Rückschlüsse auf die Herkunft des Bilirubins.

Indikationen

Prähepatischer, hepatischer oder posthepatischer Ikterus, chronische angeborene Hyperbilirubinämie
Ein Ikterus tritt auf, wenn das Serum-Bilirubin Werte von ca. 2 mg pro 100 ml übersteigt. Es gibt drei Formen von Ikterus: prähepatischer, hepatischer und posthepatischer Ikterus. Beim prähepatischen Ikterus liegt die Ursache des erhöhten Bilirubinwertes nicht im Bereich der Leber, z. B. Ikterus infolge Zerstörung der Erythrozyten. Dem hepatischen Ikterus liegt eine Lebererkrankung zugrunde (z. B. Hepatitis). Beim posthepatischen Ikterus muss die Ursache jenseits des Pfortaderkreislaufs gesucht werden (z. B. Choledochuskonkrement). Die häufigsten Ikterusformen - hepatisch und posthepatisch - sind durch einen Anstieg des konjugierten Bilirubins gekennzeichnet.

Bilirubinmessungen eignen sich zur Überwachung von Neugeborenen. Unmittelbar nach der Geburt ist das Bilirubin konjugierende System noch nicht voll ausgereift. Dies führt zu einem Anstieg des unkonjugierten Bilirubins. Aufgrund seiner Lipidlöslichkeit kann es im Gehirn akkumulieren und dort irreparable Schäden bewirken. Die Behandlung besteht aus einer UVBestrahlung.

Reflotron Bilirubin eignet sich nicht zur Beurteilung des Bilirubinspiegels bei Neugeborenen, da deren Blut besondere rheologische und physiologische Eigenschaften aufweist.

Vorbereitung des Patienten

  • Keine bestimmte Vorbereitung notwendig

Bestimmung mit Reflotron

In der Arztpraxis kann Bilirubin mit Reflotron Plus oder Reflotron sprint unter Verwendung des Parameters Reflotron Bilirubin im kapillären oder venösen Vollblut, Plasma, heparinisierten oder EDTA-Blut bestimmt werden.

Das frische Kapillar- oder venöse Blut muss innerhalb von 2 - 3 Minuten nach der Blutentnahme verarbeitet werden. Heparinisiertes oder EDTA-Blut kann im verschlossenen Gefäß bis zu 2 Stunden aufbewahrt werden. Auch Plasma kann verwendet werden (Probe nach Zentrifugation nicht aufschütteln und sicherstellen, dass alle Blutzellen sedimentiert sind). Anmerkung: Bilirubin ist lichtempfindlich. Die Proben müssen jederzeit vor Licht geschützt werden.

Ergebnisse

Referenzwerte für Erwachsene:
Bis 1,0 mg/dl (17 µmol/l)

Es liegt im Ermessen jeden Labors, zu überprüfen, ob die oben angeführten Referenzbereiche dem jeweiligen Patientenkollektiv entsprechen. Gegebenenfalls sollten eigene Referenzbereiche angegeben werden. Zur Diagnosestellung müssen die gemessenen Bilirubinwerte immer auch Anamnese, körperlicher Untersuchung und weiteren Untersuchungsergebnisse berücksichtigen.

Endogene Substanzen interferieren nicht mit der Messung. Hämatokritwerte (PCV) bis 55 % und Lipämien stören nicht.
Achtung: Hämolytisches Blut führt zu erhöhten Werten. Die Blutentnahme ist deshalb sorgfältig vorzunehmen.
Als Antikoagulans wird Heparin empfohlen. Dopamin und Phenazopyridin in therapeutischen Konzentrationen können erhöhte Bilirubinwerte vortäuschen.

Interpretation

Nahrungsaufnahme hat keinen Einfluss auf die Plasmakonzentration von Bilirubin.
Ursachen für erhöhte Bilirubin-Werte:

Prähepatischer Ikterus

  • Korpuskulär hämolytische Anämien (z. B. Thalassämien, Sichelzellanämie, Glukose-6-Phosphatdehydrogenase-Mangel)
  • Extrakorpuskulär hämolytische Anämien (z. B. Autoimmunhämolyse, Medikamenten-induzierte Hämolyse)

Hepatischer Ikterus

  • Akute oder chronische Hepatitis
  • Hepatotoxischer Leberschaden
  • Leberzirrhose
  • Leberzellkarzinom
  • Ikterus in der Schwangerschaft (z. B. HELLP-Syndrom, Eklampsie)

Posthepatischer Ikterus

  • Extrahepatische Cholestase (z. B. Gallenstein, Tumor oder Kompression des Ductus choledochus, Cholangitis)
  • Primär sklerosierende Cholangitis
  • Biliäre Atresie

Chronische, angeborene Hyperbilirubinämien, z. B. Gilbert-Syndrom, Dubin-Johnson-Syndrom

Tipps & Empfehlungen

Das Gesamt-Bilirubin ist ein hilfreicher Parameter für die Differentialdiagnose des Ikterus. Darüber hinaus liefern folgende Werte differentialdiagnostische Aussagen: konjugiertes Bilirubin, der Quotient konjugiertes Bilirubin zu Gesamt-Bilirubin, der Quotient LDH/GOT(AST) und die Höhe der Aktivität von GPT(ALT), GGT und AP. Reflotron Parameter zur Verwendung mit dem Reflotron Plus oder Reflotron sprint Analysesystem gibt es auch für GOT, GPT, GGT und AP.