Glukose

Medizinischer Hintergrund

Ursprung und biologische Vorgänge

Glukose wird aus dem Blut aufgenommen oder aus Glykogenspeichern der Leber oder Muskeln abgebaut. Glukose ist die Hauptenergiequelle für das Gehirn und die Muskeln (1).

Der Blutglukosespiegel wird durch ein Gleichgewicht zwischen der Bildung von Glukose in der Leber und der Aufnahme und dem Verbrauch von Glukose in der Peripherie in engen Grenzen aufrechterhalten. Insulin ist für die Regulation der Glukosehomöostase essenziell. Nach Bindung an seinen Rezeptor fördert Insulin die Glukoseaufnahme in Skelettmuskulatur und Fettgewebe. Bei einem Insulinmangel wie im Fall von Typ-1-Diabetes oder einer Insulinresistenz wie bei Typ-2-Diabetes, steigt der Glukosespiegel im Blut an. Neben Insulin regulieren u. a. die Hormone Glukagon, Adrenalin und Kortisol die Glukosekonzentration im Blut. (1)

Steigt der Glukosespiegel im Blut auf über 160 - 180 mg/dl (8,9 - 10 mmol/l) , wird die renale Schwelle der tubulären Glukosereabsorption in den Nieren überschritten und Glukose im Urin ausgeschieden (Glukosurie). (6)

Indikationen

Blutzucker
Verdacht auf Hyperglykämie (1, 7)

  • Screening auf Diabetes mellitus
  • Diagnose von Diabetes (Gelegenheitswert, nüchtern oder im Rahmen eines Glukosetoleranztests)
  • Bewertung des Kohlenhydratstoffwechsels
  • Sekundärer Diabetes z. B. bei Endokrinopathien, Leberkrankheiten oder Hämochromatose

Monitoring der Diabetestherapie (8-11)

  • Selbstkontrolle des Blutzuckers durch die Patienten
  • Kontrolle der Diabetestherapie durch den Arzt

Verdacht auf Hypoglykämie (1, 12)

  • Bei Symptomen einer Hypoglykämie während der Diabetestherapie
  • Diagnose von Hypoglykämie bei Neugeborenen
  • Diagnose kongenitaler Stoffwechselkrankheiten bei Kindern
  • Inselzelltumore, extrapankreatische Tumore
  • Alkoholmissbrauch
  • Galaktose- und Fruktoseintoleranz

Urinzucker (6, 13)

  • Früherkennung des Diabetes mellitus
  • Kontrolle der antidiabetischen Therapie
  • Selbstkontrolle durch die Patienten

Vorbereitung des Patienten

Blutzucker

Der Test kann entweder als Gelegenheitsuntersuchung - eine typische Situation in der Hausarztpraxis -, nüchtern oder im Rahmen eines oralen Glukosetoleranztests (OGTT) mit 75 oder 100 g Glukose durchgeführt werden. Wegen der Toxizität postprandialer Blutzuckerspitzen wurde auch der postprandiale Blutzuckerspiegel in die Therapieziele aufgenommen (8, 10, 14). Daten weisen auf einen Zusammenhang zwischen postprandialem Glukosespiegel und der Entwicklung vaskulärer Komplikationen hin (15).

  • Übermäßige Nahrungs- oder Alkoholaufnahme vor dem Test sowie schwere physische Anstrengungen vor dem Test sollten vermieden werden.
  • Bei der Bestimmung der Nüchternglukose: keine kalorische Aufnahme für mindestens 8 Stunden vor dem Test.

Urinzucker (13)

  • Es kann Morgenurin oder Tagesurin verwendet werden.
  • Sorgfältige anogenitale Hygiene vor der Urinsammlung.
  • Übermäßige Nahrungs- oder Alkoholaufnahme vor dem Test sowie schwere physische Anstrengungen vor dem Test sollten vermieden werden.
  • Ascorbinsäure (Vitamin C) aus Nahrung oder Getränken interferiert mit den Glukose-Testfeldern fast aller üblichen Urinteststreifen mit Ausnahme der Combur-Test Urinteststreifen , die sich als einzige in einem Vergleichstest mit 5 Harnteststreifen als weitestgehend resistent gegen Vitamin-C-Einfluss gezeigt haben (16).

Bestimmung

Der Blutzuckerspiegel kann mit dem Point-of-Care-System Accutrend Plus aus frischem Kapillarblut sowie mit Reflotron Plus als auch Reflotron Sprint direkt aus kapillärem oder venösem Vollblut, Plasma oder Serum in Ihrer Praxis bestimmt werden. Für ein zuverlässiges Screening und Monitoring der Glukose vor Ort innerhalb von Sekunden aus Kapillarblut sind die Accu-Chek Systeme sehr gut geeignet. Für die Bestimmung des Urinzuckers können Sie die Combur-Test Urinteststreifen visuell auswerten oder Sie nutzen für die schnelle und sichere Auswertung das Urisys 1100.

Ergebnisse

Unter nüchternen Bedingungen gibt es keine relevanten Unterschiede zwischen den Ergebnissen aus Plasma- oder Serumproben und Ergebnissen aus kapillarem oder venösem Vollblut. Bei Gelegenheitsuntersuchungen sind die Plasma- oder Serumspiegel etwas höher als die aus kapillarem oder venösem Vollblut.

Referenzbereiche

Die folgenden Normalwerte basieren auf Angaben der American Diabetes Association (2006) (17) und der Deutschen Diabetes Gesellschaft (7):

Normalwerte:
Blutzucker-Normalwerte mg/dl mmol/l
Nüchtern-Plasmaglukose <100 <5,6
Blutzucker 2 Std. nach Verabreichung von 75 g Glukose im OGTT <140 <7,8
Postprandiale Plasmaglukose 2 Std. nach Nahrungsaufnahme (14) <140 <7,8
Urinzucker-Normalwerte (Combur-Test Urinteststreifen) (18) mg/dl mmol/l
Morgenurin <20 <1,1
Tagesurin <30 <1,7

Bei ascorbinsäurefreiem Urin liegt die praktische Detektionsgrenze des Testfelds für Glukose der Combur-Test Urinteststreifen bei etwa 40 mg/dl (2,2 mmol/l), so dass auch eine gering pathologische Glukosurie mit hoher Zuverlässigkeit entdeckt werden kann. Die Obergrenze der physiologischen Glukosurie im ersten Morgenurin liegt bei etwa 15 mg/dl (0,8 mmol/l) (13).

Diabetes-Diagnosekriterien

Die folgenden Daten basieren auf den Diagnosekriterien der American Diabetes Association (2006) (17) und der Deutschen Diabetes Gesellschaft (7):

Diagnose-Kriterien mg/dl mmol/l
Gelegenheits-Plasmaglukose ≥200 ≥11,1
Nüchtern-Plasmaglukose ≥126 ≥7,0
Blutzucker 2 Std. nach Verabreichung von 75 g Glukose im OGTT ≥200 ≥11,1
Hyperglykämie, die nicht zur Erfüllung der Diagnosekriterien von Diabetes ausreicht mg/dl mmol/l
Abnorme Nüchternglukose (IFG) 100 - 125 5,6 - 6,9
Gestörte Glukosetoleranz (IGT) 140 - 199 7,8 - 11,1
Gestationsdiabetes mg/dl mmol/l
Initialscreening: Nüchtern-Plasmaglukose ≥126 ≥7,0
Initialscreening: Zufalls-Plasmaglukose ≥200 ≥11,1
Blutzucker nach Verabreichung von 75 mg Glukose im OGTT Zwei oder mehrere der folgenden Glukosewerte:  
  nüchtern: ≥95 ≥5,3
  nach 1 Stunde: ≥180 ≥10,0
  nach 2 Stunden: ≥155 ≥8,6
Niedrige Werte
Hypoglykämie <mg/dl <mmol/l
Zufalls-Blutzucker <55 <3,1

Interpretation

Klinisch relevante Veränderungen der Glukosespiegel können unterschiedliche Ursachen haben (1, 6).

Ursachen für hohe Glukosespiegel (Hyperglykämie, Glukosurie)

  • Diabetes mellitus , metabolisches Syndrom.
  • Endokriner Diabetes aufgrund einer adrenalen/hypophysären Krankheit (M. Cushing, Akromegalie) oder Hyperthyreose.
  • Andere Krankheiten: Hirnschädigung, Leberkrankheiten, nephrotisches Syndrom, Pankreatitis, Pankreastumor.
  • Arzneimittel: Thiazide, Kortikosteroide, Adrenalin, Östrogene.
  • Schwangerschaft.
  • Kohlenhydratreiche Ernährung.

Ursachen für niedrige Glukosespiegel (Hypoglykämie)

  • Exzessive Insulinzufuhr, z. B. verursacht durch Insulintherapie.
  • Artifizielle Hypoglykämie, induziert entweder durch Insulin oder hypoglykämische Mittel.
  • Krankheiten: Inselzelltumor, Leberversagen (Zirrhose, Lebertumore), Malabsorption, adrenales Karzinom, Sarkome.
  • Arzneimittel: orale Antidiabetika, hohe Dosen von Ascorbinsäure oder Salizylaten.
  • Chronischer Alkoholmissbrauch.
  • Unterernährung.

Tipps & Empfehlungen

Blutzucker

  • Indikationen für ein Diabetes-Screening sind: typische Diabetes-Symptome, Verwandte ersten Grades mit Diabetes, Body-Mass-Index ≥25 kg/m2, Bluthochdruck, hohe Cholesterin- und Triglyzeridspiegel sowie Frauen, die ein Kind geboren haben, das >4,5 kg wiegt oder bei denen ein Gestationsdiabetes diagnostiziert wurde (2).
  • Die Diagnose des Diabetes bei asymptomatischen Personen sollte nicht auf einem einzigen Glukosewert beruhen. Bestimmen Sie mindestens einen zweiten Glukosewert an einem darauf folgenden Tag. Idealerweise sollte sowohl die Nüchternglukose als auch die Glukose im Rahmen eines Glukosetoleranztests gemessen werden (2, 7).
  • Bestimmen Sie die Blutzuckerkonzentrationen bei Patienten mit Diabetes in regelmäßigen Abständen selbst. Dies ist eine Voraussetzung für eine gute Diabeteseinstellung.
  • Die Blutzucker-Selbstkontrolle wird allen Patienten empfohlen, die mit Insulin behandelt werden und ist bei allen Patienten mit Diabetes wünschenswert. Zu diesem Zweck eignen sich Messgeräte der Accu-Chek-Serie sehr gut.

Urinzucker

  • Urinzuckertests mit Combur-Test Urinteststreifen geben eine erste Einschätzung des vorherrschenden Blutzuckerspiegels (6, 13).
  • Durch eine Glukosurie kann eine Hyperglykämie zwar erkannt werden, doch das Fehlen von Glukosurie schließt einen Diabetes mellitus oder andere Störung des Glukosestoffwechsels nicht aus. Urinzuckertests liefern keine Informationen über Blutzuckerspiegel unter der Nierenschwelle von 160 - 180 mg/dl (8,9 - 10,0 mmol/l). Daher sollten Urinzuckertests vor allem bei Patienten in Betracht gezogen werden, die sich weigern oder nicht fähig sind, eine Selbstkontrolle des Blutzuckers durchzuführen (6, 13).