Hämoglobin

Medizinischer Hintergrund

Ursprung und biologische Vorgänge

Das Hämoglobin (Hb) ist der rote Farbstoff der Erythrozyten und bindet den Hauptteil (70 %) des im menschlichen Körper gespeicherten Eisens. Das Hämoglobin hat die Aufgabe, den für alle Lebewesen lebenswichtigen Sauerstoff von der Lunge zu den Muskeln zu transportieren. Auf dem Rückweg in die Lunge transportiert das Hb das vom Metabolismus gebildete und mit der Atemluft auszuscheidende Kohlendioxid.
Die erniedrigte Hb-Konzentration ist gemeinsam mit dem Hämatokrit und der Erythrozytenzahl ein wichtiges Kriterium für die Diagnostik und Verlaufskontrolle bei Anämien. Erhöhte Hb-Werte weisen auf eine Polyglobulie oder Polyzythämie hin.

Indikationen

  • Diagnose, Verlaufs- und Therapiebeurteilung von Anämien
  • Blutverlust
  • Polyglobulie
  • Polyzythämie

Vorbereitung des Patienten

  • Keine bestimmte Vorbereitung notwendig

Bestimmung mit Reflotron

In der Arztpraxis kann Hämoglobin mit Reflotron Plus oder Reflotron sprint unter Verwendung des Parameters Reflotron Hämoglobin in kapillarem, heparinisiertem oder EDTA-Blut bestimmt werden. Frisches Kapillar- oder Venenblut muss innerhalb von 2 - 3 Minuten nach der Entnahme verarbeitet werden. Starkes Quetschen der Punktionsstelle kann zu falsch hohen Hämoglobin-Werten führen. Heparinisiertes oder EDTA-Blut muss verschlossen aufbewahrt werden und darf nicht älter als 24 Stunden sein. Vor der Durchführung des Tests sollte die Probe vorsichtig geschüttelt werden, um sedimentierte Zellen wieder zu lösen.

Ergebnisse

Referenzwerte für Erwachsene:
Männer Frauen
14 - 17.5 g/dl 12.3 - 15.3 g/dl
8.7 - 10.9 mmol/l 7.6 - 9.5 mmol/l

Es liegt im Ermessen jeden Labors, zu überprüfen, ob die oben angeführten Referenzbereiche dem jeweiligen Patientenkollektiv entsprechen. Gegebenenfalls sollten eigene Referenzbereiche angegeben werden.

Interpretation

Erniedrigte Hämoglobin-Werte:

  • Anämie
  • Blutverlust
  • Schwangerschaft (Hämoglobin-Werte sinken etwa 2 – 3 g/dl als Folge einer überproportionalen Zunahme des Plasmavolumens im Verhältnis zur Erythrozytenmasse)

Erhöhte Hämoglobin-Werte:

  • Polyglobulie
  • Polyzythämie
  • Längerer Aufenthalt in großer Höhenlage (1 g/dl pro 2000 m Höhendifferenz)
  • Starker Nikotinkonsum

Nahrungsaufnahme hat keinen direkten Einfluss auf die Plasmakonzentration von Hämoglobin.
Nach WHO-Definition liegt bei Hb-Werten unter 12 g/dl (7,5 mmol) bei Frauen und unter 13 g/dl (8,1 mmol) bei Männern eine Anämie vor. Es ist jedoch hilfreich, die individuellen Normwerte eines Patienten zu kennen, da klinische Symptome mit der Abweichung zu dieser Norm korrelieren. Ein Patient, dessen Hb-Wert normalerweise bei 18 g/dl (11,2 mmol/l) liegt, wird bereits bei 14 g/dl (8,7 mmol/l) symptomatisch werden, während ein anderer Patient mit darunter liegendem Wert symptomfrei sein kann. Deshalb kann auch bei einem Hämoglobin-Wert innerhalb des Referenzbereichs eine Anämie nicht sicher ausgeschlossen werden. Die Diagnose muss überdies Anamnese, klinische Befunde und Laborwerte berücksichtigen.

Tipps & Empfehlungen

Hb, Hämatokrit und Erythrozytenzahl:

Mit den Werten für Hb, Hämatokrit (PCV, Hct) und der Erythrozytenzahl wird eine Indexzahl berechnet, die das Zellvolumen und den Hämoglobingehalt der roten Blutkörperchen berücksichtigt. Der früher für die Diagnose einer Anämie übliche Färbeindex ist heute durch den Sättigungsindex der Erythrozyten (MCHC) ersetzt. Dieser berechnet sich einfach aus dem Hämatokrit (PCV) und dem Hämoglobin nach der Formel:

MCHC = Hämoglobin [g/dl]

PCV [%]
[g Hb pro dl Erythrozyten]