Harnsäure

Medizinischer Hintergrund

Ursprung und biologische Vorgänge

Die Purine sind essentielle und universale Bausteine der Nukleinsäuren und Koenzyme. Das Endprodukt des Purinstoffwechsels im Organismus ist die Harnsäure. Sie wird vom menschlichen Organismus nur geringfügig weiter abgebaut und muss daher ausgeschieden werden. Die Hauptmenge der unter normalen Umständen gebildeten und ausgeschiedenen Harnsäure entstammt den mit der Nahrung aufgenommenen Purinkörpern.
Der Harnsäurepool des Organismus beträgt etwa 1g und ist abhängig von der endogenen Purinsynthese, der exogenen Purinzufuhr und dem Abbau der Nukleinsäuren im Gewebe. Die Elimination erfolgt zu 70 - 80 % über die Nieren und zu 20 - 30 % über den Darm.
Erhöhte Harnsäurewerte findet man vor allem bei Gicht der meist eine gestörte renale Harnsäureausscheidung zu Grunde liegt. In seltenen Fällen ist der Purinabbau durch einen angeborenen Stoffwechseldefekt verstärkt, so dass vermehrt Harnsäure gebildet wird. Auch bei vermehrtem Zellzerfall kommt es zu erhöhten Harnsäurewerten.

Indikationen

Harnsäurebestimmungen werden zur Diagnose bei Gicht, zur Verlaufskontrolle zahlreicher Erkrankungen wie z.B. Niereninsuffizienz, Leukämie und Psoriasis, bei Hungerzuständen und Krankheiten mit Ernährungsmangel sowie bei Patienten mit zytostatischer Therapie eingesetzt.

Vorbereitung des Patienten

  • Es ist keine spezielle Vorbereitung notwendig
  • Ascorbinsäure (Vitamin C) bis 5 mg/dl hat Einfluss auf Reflotron Uric Acid

Ergebnisse

Referenzbereiche:

  • Männer ≤ 65 Jahre: bis 7,0 mg/dl (420 µmol/l)
    > 65 Jahre: bis 8,4 mg/dl (500 µmol/l)
  • Frauen bis 5,7 mg/dl (340 µmol/l)

Interpretation

Die häufigste Ursache für eine Erhöhung der Harnsäurewerte ist eine verminderte renale Sekretion.
Doch es gibt auch andere Erkrankungen, die zu einer Erhöhung führen.

Ursachen für erhöhte Werte

  • Verminderung der renalen Harnsäureausscheidung
  • Malignome und Leukämien, vor allem unter Chemotherapie (vermehrter Zellzerfall)
  • Lesch-Nyhan-Syndrom
  • Kelley-Seegmiller-Sydrom
  • Laktazidosen
  • Ketazidosen (Fasten, Diabetes mellitus)
  • Pharmaka (Saluretika)
  • Zystinose
  • Morbus Gierke
  • Hereditäre Fruktoseintoleranz

Ursachen für erniedrigte Werte

  • Schwermetallvergiftungen (Beryllium, Blei)
  • Lebererkrankungen
  • Malignome
  • Medikamentös (Salizylate, Diuretika, Probenecid, Pyrazolone)

Tipps & Empfehlungen

  • Auch bei nur leichter Erhöhung der Harnsäurewerte sollte eine regelmäßige Kontrolle erfolgen, um besonders bei hereditärer Belastung frühzeitig eine möglicherweise notwendig werdende Therapie einleiten zu können.
  • Deutlich erhöhte Werte der Harnsäure sind heute bei 19- bis 30-jährigen Männern häufig. Dadurch hat sich der Altersgipfel für die Erstmanifestation der Gicht um bis zu zwei Jahrzehnte verschoben.
  • Gicht kommt gehäuft mit Erkrankungen des metabolischen Syndroms („Wohlstandssyndrom“) vor: Adipositas, gestörte Glukose-Toleranz bzw. Typ-2-Diabetes, Dyslipoproteinämie, arterielle Hypertonie.

 

REFLOTRON ist eine Marke eines Unternehmens der Roche Gruppe.