Kalium

Medizinischer Hintergrund

Ursprung und biologische Vorgänge

Kalium (K+) ist ein Alkalimetall, das in vielen Pflanzen und Mineralien vorkommt. Der menschliche Körper enthält normalerweise ca. 50 mmol Kalium pro kg Körpergewicht. Davon kommen 98 % in den Zellen vor, nur 2 % finden sich in der extrazellulären Flüssigkeit. Dieses Konzentrationsgefälle ist der Hauptgrund für das Membranpotenzial der Zellen. Das elektrische Potenzial ist verantwortlich für die Erregbarkeit der Muskeln und Nerven, einschließlich des Herzens. Kalium wird auch durch Störungen des Säure-Base-Gleichgewichts beeinflusst. So kann die Behandlung sehr hoher Blutzuckerwerte mit Insulin zu einer Hypokaliämie führen. Kalium wird hauptsächlich von den Nieren (90 %), der kleinere Teil mit dem Stuhl (10 %) ausgeschieden. In den Glomeruli der Nieren wird Kalium mit dem Primärharn filtriert. Im proximalen Tubulus erfolgt anschließend eine fast vollständige Rückresorption, im distalen Tubulus wird Kalium in einem Sekretionsprozess gegen Natrium und Protonen ausgetauscht. Störungen des Wasser- und des Elektrolythaushaltes treten hauptsächlich als Begleitkrankheiten auf. Sie können eine Grunderkrankung verändern oder eine klinische Komplikation darstellen.

Indikationen

  • Hypertonus
  • Herzrhythmusstörungen
  • Einnahme von Diuretika oder Laxanzien
  • Akute oder chronische Niereninsuffizienz
  • Diarrhoe, Emesis
  • Bekannte Störung anderer Elektrolyte
  • Störungen des Säure-Basen-Haushaltes
  • Insulintherapie bei diabetischem Koma
  • Verbrennungen
  • Muskelverletzungen

Vorbereitung des Patienten

  • Keine bestimmte Vorbereitung notwendig

Bestimmung mit Reflotron

In der Arztpraxis kann Kalium mit Reflotron Plus oder Reflotron sprint unter Verwendung des Parameters Reflotron Kalium in Plasma aus heparinisiertem Venenblut oder Serum bestimmt werden. Für die Gewinnung des Plasmas muss das antikoagulierte Blut sofort zentrifugiert und das Plasma von den Zellbestandteilen abgetrennt werden. Das Serum muss innerhalb einer Stunde nach Blutentnahme abgetrennt werden. In Serum oder Plasma, verschlossen und im Kühlschrank aufbewahrt, ist Kalium für Wochen stabil. Kapillarblut oder hämolytisches Blut können nicht verwendet werden. Andere, insbesondere kaliumhaltige Antikoagulanzien, dürfen nicht eingesetzt werden.

Ergebnisse

Referenzwerte für Erwachsene:

  • Serum: 3,6 - 5,0 mmol/l (mval/l)
  • Plasma: 3,5 - 4,6 mmol/l (mval/l)

Es liegt im Ermessen jeden Labors, zu überprüfen, ob die oben angeführten Referenzbereiche dem jeweiligen Patientenkollektiv entsprechen. Gegebenenfalls sollten eigene Referenzbereiche angegeben werden. Zur Diagnosestellung müssen die Kalium-Messergebnisse immer auch gemeinsam mit Anamnese, körperlicher Untersuchung und weiteren Untersuchungsergebnissen betrachtet werden. Cholesterin bis 400 mg/dl, Triglyceride bis 500 mg/dl, Natriumkonzentrationen zwischen 100 und 160 mmol/l und unterschiedliche Bilirubin-Konzentrationen beeinträchtigen die Kalium-Bestimmung nicht.

Interpretation

Serumkalium ist nur ein kleiner Teil des Gesamtkaliums. Schon geringe Verschiebungen können deshalb von großer klinischer Bedeutung sein. Ein Kaliumungleichgewicht beeinflusst die Reizleitung des Herzens. Sowohl eine Hyperkaliämie als auch eine Hypokaliämie kann rasch lebensbedrohlich werden.

Erniedrigte Kalium-Werte:

  • Hypokaliämie mit verminderter renaler Kaliumausscheidung (z. B. Verluste über den Gastrointestinaltrakt oder die Haut, verminderte Kaliumaufnahme, Therapie einer Eisenmangelanämie oder perniziösen Anämie, bedingt durch die rasche Vermehrung der Zellmasse)
  • Hypokaliämie mit erhöhter renaler Kaliumausscheidung (z. B. Leukämie, Hypomagnesiämie)
  • Diuretika (z. B. Furosemid, Bumetanid, Thiazide)
  • Andere Medikamente (z. B. Laxanzien, Penicilline, Aminoglykoside, Cisplatin, Mannitol)
  • Metabolische Alkalose (z. B. Diarrhoe)
  • Primärer oder sekundärer Hyperaldosteronismus
  • Stress-Hypokaliämie (z. B. Herzinfarkt, Bronchialasthma)
  • Hereditäre Erkrankungen (z. B. Liddle Syndrom, Bartter Syndrom, 17α-Hydroxylase-Mangel)
  • Insulintherapie des diabetischen Komas

Erhöhte Kalium-Werte:

  • Pseudohyperkaliämie (z. B. prolongierte Stauung vor der Blutentnahme, Hämolyse, Leukozytose, Thrombozythämie)
  • Hyperkaliämie mit normaler renaler Kaliumausscheidung (z. B. Rhabdomyolyse, Tumorzelllyse, Digitalis-Intoxikation, diabetische Ketoazidose)
  • Hyperkaliämie mit verminderter renaler Kaliumausscheidung (z. B. akute oder chronische Niereninsuffizienz)
  • Medikamente (z. B. ACH-Hemmer, Trimethoprim-Sulfamethoxazol, Indomethazin, Ibuprofen, Spironolacton, Amilorid, Triamteren)
  • Systemischer Lupus erythematodes
  • Sichelzellanämie

Tipps & Empfehlungen

  • Bei infektiöser Mononukleose können Leukozyten und Erythrozyten in vitro schnell Kalium verlieren. Eine Abnahme der Temperatur führt aufgrund einer zellulären Leckage zu einem Ausstrom von Kalium aus den Zellen.
  • Insulin bewirkt eine vermehrte Kaliumaufnahme des Gewebes. Nach Insulingabe kommt es zu einem Abfall des Plasma-Kaliums und der Kalium-Ausscheidung im Urin.
  • Katecholamine beeinflussen die Nieren direkt. Sie bewirken eine Verminderung der tubulären Kaliumausscheidung im Urin, ohne die Glomeruläre Filtrationsrate (GFR), die Harnflussrate oder die Natriumausscheidung zu verändern.