Harnstoff

Medizinischer Hintergrund

Ursprung und biologische Vorgänge

Harnstoff ist das Hauptabbauprodukt des Proteinstoffwechsels und wird in der Leber gebildet. Beim Abbau der Proteine werden diese in Aminosäuren zerlegt und desaminiert. Dabei fällt Ammoniak an, der in den Mitochondrien während des Harnstoffzyklus zu Harnstoff umgewandelt wird.
Täglich entstehen so bei einem Erwachsenen ca. 16 g Harnstoff, die ausgeschieden werden müssen. Der Großteil wird durch glomeruläre Filtration eliminiert und zu 40 bis 50 % über die Tubuli rückresorbiert. Der Rest wird über den Schweiß und den Darm ausgeschieden.
Zustände mit erhöhten Harnstoffkonzentrationen wie eine Niereninsuffizienz werden als Azotämie bezeichnet.
Wird eine Erhöhung der harnpflichtigen Substanzen im Serum festgestellt, liegt bereits eine Niereninsuffizienz vor.

Indikationen

  • Zur Differenzierung der prä- von der postrenalen Azotämie anhand des Harnstoff/ Kreatinin-Quotienten
  • Bei terminaler Niereninsuffizienz, da die urämischen Intoxikationszeichen gut mit der Konzentration des Harnstoffs korrelieren
  • Bei Dialysepatienten, da die Harnstoffkonzentration repräsentativ für den Proteinabbau ist
  • Zur Verlaufskontrolle bei Niereninsuffizienz
  • Zur Differenzialdiagnose komatöser Zustände

Vorbereitung des Patienten

  • Keine bestimmte Vorbereitung notwendig

Ergebnisse

Referenzbereich

  • ≤ 65 Jahre: < 50 mg/dl (8,3 mmol/l)
  • > 65 Jahre: < 71 mg/dl (11,9 mmol/l)

Interpretation

Drei Faktoren bestimmen die Höhe der Harnstoffkonzentration im Serum:

  • Die renale Perfusion
  • Die Harnstoffbildungsrate: Sie ist von der täglichen Eiweißzufuhr abhängig.
  • Die Höhe der glomerulären Filtrationsrate (GFR). Eine dauerhafte Erhöhung des Serumharnstoffs spricht für eine wesentlich Einschränkung der GFR.

Ursachen für erhöhte Werte

  • Niereninsuffizienz
  • Akutes Nierenversagen
  • Eiweißkatabolismus (Fieber, Zellzerfall, postoperativ, Hungerzustände)
  • Hyperthyreose
  • Hohe Proteinzufuhr
  • Erbrechen
  • Diarrhoe
  • Verbrennungen
  • Hochdosierte Glukokortikoidtherapie

Ursachen für erniedrigte Werte

  • Malnutrition
  • schwerer Leberschaden
  • Zöliakie (Sprue)
  • zystische Fibrose

Tipps & Empfehlungen

  • Kreatinin und Harnstoff reflektieren nicht gleichwertig den Grad der renalen Dysfunktion oder Insuffizienz, deshalb wird empfohlen, beide Parameter gleichzeitig zu überprüfen.
  • Die Bestimmung des Harnstoffes mittels Reflotron Urea (Harnstoff) ist sowohl zur ersten Abklärung als auch zur Verlaufsbeobachtung geeignet.
  • Denken Sie an die Möglichkeit einer eiweißarmen Diät: sie kann die Harnstoffwerte bis in den Normbereich sinken lassen.

 

REFLOTRON ist eine Marke eines Unternehmens der Roche Gruppe.